Die Qualität wird die Zukunft entscheiden

Die Qualität wird die Zukunft entscheiden

Wie der Begriff Qualität gerade im sensiblen Bereich ökologischer Lebensmittel genutzt wird oder ausgestattet werden kann, dazu gibt der folgende Text Anregungen.

Begriffsdefinitionen

Qualität, Qualität, Qualität.... kaum ein Begriff wird so häufig verwendet und führt gleichzeitig so oft zu Missverständnissen wie dieser!

Fangen wir deshalb an mit der offiziellen Qualitätsdefinition nach DIN-ISO 8402: "Qualität ist die Gesamtheit von Merkmalen (und Merkmalsansätzen) einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen."

In diesem schlichten Satz verbirgt sich im wesentlichen die Frage nach den vorausgesetzten Erfordernissen.

Ganz zu recht wird diese in der konsequenten Art gestellt. Jeder, der über Qualität spricht, sollte zunächst kenntlich machen, was seine Erfordernisse sind, erst dann lässt sich klären, ob das Gewünschte oder Besprochene diesen Erfordernissen genügt. Erst dann kann es gelingen, sich sachgerecht über Weizenqualität, Qualitätsweizen, Öko -Weizenqualität, Backweizenqualität, Weizenqualität aus integrierter Produktion usw. zu unterhalten.

Eine Vielzahl von Faktoren können auf den unterschiedlichen Stufen des Gebrauchs eine Rolle spielen. Für den Verbraucher sind das typischerweise die Kategorien Eignungswert, Genusswert, Gesundheitswert, Ökologiewert und Kulturwert, der Preis und die Verfügbarkeit sind da schon eingeschlossen.

Für ein Verarbeitungsunternehmen tritt natürlich ganz entscheidend noch der technologische Wert eines Produktes hinzu. Für Landwirte sind Anbaueignung und Marktfähigkeit ausschlaggebend. So kann und muss letztendlich jeder auf seiner Stufe ein individuelles Qualitätsprofil erarbeiten und daran die Eignung z.B. einer angebotenen Ware messen.

Denken wir ein wenig distanziert vom Alltagsgeschäft über Qualität nach, schmeckt uns plötzlich diese Definition nicht so recht! Diese Beliebigkeit kann doch nicht alles gewesen sein. Ist Qualität und Eignung nicht auch etwas Absolutes? Sind Bio-Lebensmittel nicht zumindest in der Tendenz besser als konventionelle Produkte?

Das ist das andere Bild des Begriffes "Qualität". Hier wird etwas Gutes, etwas an sich Passendes darunter verstanden, das sich der Beliebigkeit der alltäglichen Anforderungen entzieht und Bestand hat. Man weist diesem dann den Platz zu z.B. als "Innere Qualität" ( Balzer-Graf) oder nennt sie "Ganzheitliche Qualität", die alles zu umfassen vermag und per se urteilen kann über gut und schlecht. Diese Auffassung läßt sich am schönsten mit folgendem Satz auf den Punkt bringen: "Qualität ist eine unmittelbare Erfahrung unabhängig von intellektuellen Abstraktionen und ihnen vorausgehend." (Persing 1992)

Beide Betrachtungsweisen sind heute in den Köpfen der Menschen anzutreffen. Beide haben ihre Berechtigung!

Qualitätsanalyse

Eine Reihe von Analysemethoden sind entwickelt worden, um in diesem Spannungsfeld Aussagen über Lebensmittel zu erarbeiten. Es geht hierbei im Kerne um die Darstellung, dass Qualität eben mehr ist als Chemie und Physik. Die eigentlichen Fähigkeiten des Lebendigen wie z.B. Selbsterhaltung, Wachstumsfähigkeit, Reproduktion, Widerstandskraft darzustellen, ist das wesentliche Ziel dieser Methoden. Man geht hierbei schlicht davon aus, da es sich beim Menschen um ein belebtes und beseeltes Wesen handelt, dass diese Fähigkeiten auch für dessen Wohlergehen entscheidend sind. Dies basiert auf der Grundthese des ökologischen Landbaus: "gesunder Boden - gesunde Pflanze - Gesunde Tiere - gesunde Umwelt - gesunder Mensch".

Sicherlich ist es so, dass uns heute noch viele Funktionen und Details der belebten Welt unbekannt sind. Es gibt einen schönen Vergleich, der verdeutlicht, wo wir in etwa in der Erforschung des Lebendigen stehen:

Vergleichen wir einfach ein Lebensmittel mit einem Buch. Die Erforschung des Buches begann damit, dass man es zunächst verbrannt hat und eine Aussage über dessen Brennwert oder kalorischen Wert erhalten hat. Später hat man dann gelernt, das Buch aufzuschlagen und ist zu der Erkenntnis vorgedrungen, dass es sich in verschiedene Kapitel einteilen lässt (Eiweiß, Fett Kohlenhydrate - ein bisschen Glossar und Inhaltsverzeichnis!). Später hat man dann angefangen, in den Kapiteln etwas zu lesen und zunächst festgestellt, dass es dort "Wörter" gibt - dies hat man der Einfachheit halber nach Größen sortiert und dann noch heraus gefunden, dass bestimmte Buchstaben in einem Wort vorkommen, im andere nicht. Das ist bei der Erforschung vieler Lebensmittelinhaltsstoffe Stand der Dinge.

Erst in jüngster Zeit ist es gelungen, zu verstehen, dass hinter den Worten ein einheitlicher Code (DNS) steckt, den man gerade zu erarbeiten versucht. Die Buchstabenabfolge einiger kleiner Kapitel ist nun schon bekannt. Meistens ist jedoch noch nicht bekannt, was diese Abfolge, was diese Wörter bedeuten könnten.

Wenn man sich nun vergegenwärtigt, wie weit der Leser dieses Buches immer noch davon entfernt ist, wirklich lesen zu können geschweige denn, den Kontext zu verstehen bzw. in die gedanklichen Nuancen des Autors einzusteigen, wird klar, wie viel die Naturwissenschaft noch zu leisten hat, um das Phänomen des Lebens richtig zu beschreiben. Auch wissen wir dann, wie weit wir noch davon entfernt sind, die tatsächlichen Feinheiten der Ernährung zu verstehen.

Um sich genau diesen Problemen zu stellen, wird schon seit Jahrzehnten an Methoden gearbeitet, die die "Gesamtqualtiät" von Lebensmitteln darstellen.

1988 wurde von Angelika Meier-Poeger und Hartmut Vogtmann das Thema der sogenannten Außenseitermethoden als solches neu aufgegriffen und erstmals in dem Buch "Lebensmittelqualität - ganzheitliche Methoden und Konzepte" veröffentlicht.

Grundsätzlich lassen sich im Bereich der sogenannten ganzheitlichen Methoden drei Gruppen unterscheiden.

1. Bildschaffende Methoden
- Steigbildmethode
- Kupferchlorid-Kristallisation
- Tropfenbildmethode
- Rundfilterchromatographie

2. Physikalische Methoden
- Biophotonen
- Elektrochemische Untersuchungen
- Multivariante chemisch-phsysikalische Methoden (Physiologischer Index)

3. Physiologische Methoden
- Lagerversuche
- Zersetzungsversuche
- Ernährungsversuche am Menschen
- Fütterungsversuche
- Pflanzenphysiologische Untersuchungen

Die bildschaffenden Methoden haben ihren Ursprung in der anthrophosophischen Forschungsgemeinde. Ziel dieser Methoden ist es, durch eine Art Abbild die innere Qualität der Lebensmittel bildhaft sichtbar zu machen.

Die phsysikalischen Methoden versuchen im wesentlichen Parameter und Parameterbeziehungen, z.B. Biophotonen, zu erarbeiten, die einen Rückschluß auf das Gesamtsystem Lebensmittel erlauben.

Mit den physiologischen Methoden wird versucht, die Selbsterhaltungskräfte (Lagerversuch, Zersetzungsversuch) darzustellen. Bei den Ernährungs- und Fütterungsversuchen geht es im wesentlichen darum, zu zeigen, wie das Lebensmittel auf das komplexe System Mensch oder Tier wirkt. Die pflanzenphysiologischen Versuche zielen darauf ab, aus dem Wachstum der Pflanze Rückschlüsse auf die innere Qualität zu ziehen.

Seit dem sind eine Reihe dieser Methoden deutlicher in das Bewusstsein der Wissenschaftler geraten. In der vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin 1995 veröffentlichen Literaturstudie (Woese K. u.a.) fanden diese Methoden das erstmals von behördlicher Seite eine ausführliche Würdigung und Darstellung. Der Bericht zu diesen Methoden und den ermittelten Ergebnissen endet mit dem Satz: "Die Ergebnisse der dargestellten "alternativen" Untersuchungsmethoden (Bildschaffende Methoden, Biophotonen) sind sehr interessant, können hier aufgrund mangelnder Erfahrung bei ihrer Auswertung jedoch nicht im gleichen Umfang wie die anderen Resultate berücksichtigt werden." Damit spricht er das alte Dilemma an, dass noch zu wenig Entwicklungsarbeit an diesen Methoden geleistet wurde. Ein wesentlicher Schritt zur wissenschaftlichen Anerkennung insbesondere der bildschaffenden Methoden wurde bei Veröffentlichung der Ergebnisse des DOK-Versuches (dynamisch-organisch-konventionell) in der Schweiz erreicht. Diese Ergebnisse belegen eindeutig, dass die Methoden zur sehr genauen Differenzierung verschiedener Erzeugungsmethoden geeignet sind. (z.B. Mäder P. u.a.)

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, näher auf diese verschiedenen Methoden einzugehen. Wichtig ist jedoch, zu beherzigen, wie wesentlich es ist, dass, wenn es tatsächlich gelingen soll, neue Ideen von Qualität bei Lebensmitteln und für Öko-Lebensmittel zu etablieren, es notwendig ist, neue Methoden konsequent als Siegel dieser Ideen zu entwickeln und anzuwenden. Es ist ein Irrtum zu glauben, die bisherigen Methoden sind generell dazu geeignet, Unterschiede herauszustellen zwischen Öko und Konventionell!

Methoden sind immer der Ausdruck von Fragestellungen und somit Ausdruck eines beistimmten Blickwinkels. Ändert sich der Blickwinkel, müssen zunächst die Methoden überprüft werden, ob sie zur Beantwortung der hieraus entstehenden Fragestellungen überhaupt geeignet sind, bzw. wie sie anzupassen sind. Oder ob es neuer Methoden bedarf. Tut man dies nicht konsequent, darf man sich nicht wundern, wenn einen über kurz oder lang die alten Blickwinkel wieder einholen.

Ausblick

Wenn Mensch versucht, sich ein Bild über "Qualität" zu machen, und nur der Mensch tut das, dann ist das im Wesentlichen eine moralische Aufgabe. Er muss sich im Klaren sein, welche Verantwortung er mit dem Prägen eines Qualitätsbegriffes für die Gesellschaft und für die Natur übernimmt. Moralische Werte formen unser Verantwortungsbewußtsein und damit unsere Werte, die wir auf Dinge und Dienstleistungen übertragen. Die Qualität, die wir formulieren, wird somit zu einem Instrument der Verantwortung gegenüber der Natur und dem Menschen.

Insbesondere die Menschen, die Verantwortung für Erzeugung und Verarbeitung von ökologischen Lebensmitteln übernehmen, müssen sich hüten, auf schnelle Antworten hereinzufallen. Gute Fragen zu entwickeln und zu stellen bleibt für die Zukunft entscheidend. (vergl. Beck A.)

Alexander Beck im GÄA Journal 3/2000 S.10-11

Literatur:

Balzer-Graf U.: "Qualität - ein Er-Lebnis< Hrsg:forschungslabor Dr. Ursula Balzer-Graf Tösstalstr. 38, CH-8623 Wetzikon

Beck A: "Ein Versuch über Qualität und Werte" Lebendige Erde 1/2000

DIN-ISO 8402 (Fassung vom August 1995)

Mäder P., Pfiffner L., u.a:. "Effect of three farming systems (bio-dynamic, bio-organic, convetional) on yield and quality of beetroot (..9 in a seven year crop rotation" Acta Horticulturae 339 (1993)

Meier-Ploeger A., Vogtmann H. (Hrsg.): "Lebensmittelqualität - ganzheitliche Methoden und Konzepte" Verlag C.F. Müller Karlsruhe 1988

Pirsing M.:Lila - Oder ein Versuch über Moral" S. Fischer 1992

Woese K., Lange C. u.a.: "Ökologisch und konvetnionll erzeugte Lebensmittel im Vergleich - Eine Literaturstudie Teil I und II" bgvv 1995

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