Neue Themen für die Produktentwicklung

Neue Themen für die Produktentwicklung -
Vom Produktdesign zur Entwicklung von Systembausteinen

Total Quality Management (TQM), Qualitäts-Sicherung, Hygienebestimmungen (HACCP), Ökoaudit, Kundenorientierung ... alles große Themen, die an keinem Unternehmen spurlos vorüber gegangen sind. Alle berühren auch das Thema Produktentwicklung! Doch ein Konzept "Systematische Produktentwicklung" als solches richtig durchzuarbeiten und in die anderen Managementaufgaben zu integrieren ist für die meisten Unternehmen noch eine Zukunftsaufgabe.
Ganz grundsätzlich ist es notwendig, dass das Thema "Produktentwicklung" einen ähnlichen Stellenwert erhält und als Zukunftsthema umgesetzt wird und die Produktentwickler in den Betrieben, sofern es sie überhaupt gibt, aus der Waschküche entlassen werden.

Grundsätzlich lassen sind Produktentwicklungsaufgaben in 3 Teile zerlegen.

Organisatorische Aufgaben im Bereich Vernetzung von Abteilungen und Koordination von Arbeits- und Entscheidungsprozessen,

Etablierung von Such-, Prüf- und Ablaufinstrumenten,

Generieren von Ideen und deren Beurteilung/Unternehmensziele


Diese betreffen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen die Produktentwicklungs- und Produktpflege-Aktivitäten.

Die Ausrichtungen verschiedener Produktentwicklungsperspektiven lassen sich wie folgt gliedern:


Klassische (Echte) Neuprodukte

Einfache Transfer - Produkte

Produktlinien - Erweiterung

Nachgemachte Produkte
Zeitlich begrenzte Produkte (Saison - Produkte)
Produktveränderungen

(Hoban T.J. 1998)

Gerade die starke Prozessorientierung der vergangenen Jahre hat als Schattenseite dazu geführt, dass man sehr viele Übergänge zwischen verschiedenen Abteilungen bzw. beteiligten Personen geschaffen hat. Dies hat dazu geführt, dass ein extrem hoher Kommunikationsbedarf anfällt mit allem Aufwand und allen Risiken. Die Sachbearbeiter der verschiedenen Abteilungen wie Kaufleute, Techniker, Ingenieure, QS - Leute etc. haben ganz unterschiedliche Ausbildungen und sprechen damit auch unterschiedliche Fachsprachen. Diese prozessorienierten Abläufe müssen zu kommunikationsoptimierten, aufgabenorientierten Abläufen zurückgeführt werden, die durch Reduzierung der Übergänge von der Verantwortung einer Person zur anderen unnötige Verluste minimieren.

Andererseits sind viele Instrumente, die zur einer "Systematischen Produktentwicklung" gehören, nur unzureichend in die Praxis eingeführt. Hierzu zählen klare Verantwortungszuweisungen, Ablaufbeschreibungen, zugehörige Analysemethoden sowie geeignete Prüfmethoden für Ergebnisse der Arbeitsabschnitte und die nötige Kommunikationsstruktur.
Insbesondere wirken in diesen Prozessen auch Hierarchien zwischen den verschieden Abteilungen destruktiv. Da üblicherweise Verkaufs- und Marketingabteilungen "höher" angesiedelt sind als z.B. Produktionsabteilungen, bleiben oft technische Innovationen auf der Strecke. In Kombination mit dem Problem der Fachsprachen führt dies zu oft dazu, dass Ideen abgelehnt werden, bevor sie überhaupt verstanden wurden.
Diese Gefahr besteht hauptsächlich bei Mittelständlern, da im Handwerk oft die Firmenleitung selbst noch intensiv in den Herstellungsprozeß einbezogen ist und die Bereiche zu integrieren vermag (vergl. Ehrenspiel 1995). Hier läßt sich mit einer systematischen Organisation von Ablaufstrukturen und Entscheidungsprozessen viel Zeit gewinnen und eine Menge Geld und Frust sparen. "Neue Produkte - Abenteuer oder System?" ist für zu viele Unternehmen auch heute noch eine unbeantwortete Frage! (Stritzky 1973).

Abseits der Frage wie eine effektive PE zu organisieren und technisch umzusetzen ist stellen sich für alle Unternehmen folgende Grundfragen:

Wie viel und welche Art von Innovation brauchen wir, um überleben zu können?

Wie hoch darf die "Innovationsvorspannung" sein?

Wie viel Innovationsarbeit können wir uns leisten?


Bio- Produkte anzubieten war und ist sehr innovativ. Für viele Kunden ist die "Innovationsvorspannung" möglicherweise noch zu hoch. Insgesamt wächst jedoch die Akzeptanz.
Im Moment ist die Öko - Branche allerdings damit beschäftigt, nach und nach alle Domänen der klassischen Lebensmittelbranche zu erobern; der böse Spruch "die Ökos machen doch letztendlich alles so wie die Konventionellen, halt nur 20 Jahre später" wird ein wenig Realität! Öko - Fertigpizza, Öko - Zigaretten, Öko - Weißzucker etc. pp.. Wir befinden uns tief in den Feldern "nachgemachte Produkte" und "einfache Transfer Produkte".
Öko (Bio) stand in unserem Kulturkreis eine ganze Zeit für eine Lebenseinstellung für den "ökologischen" Aufbruch der Gesellschaft. Dies hat sich grundlegend gewandelt!


Öko - steht heute in Bezug auf Lebensmittel für eine technisch definierte landwirtschaftliche Produktionsmethode mit spezifischen technischen Einschränkungen für die Verarbeitung der Erzeugnisse --- nicht weniger und nicht mehr!


Die ganze Welt ist heute ein ganzes Stück mehr "öko" geworden und die Ökos sind ein Ganzes Stück mehr konventionell geworden und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Bilder und damit auch die Märkte verschmelzen.

Für ein kleines mittelständisches Unternehmen der Lebensmittelherstellung, das sich bisher mit dem Thema Öko befaßt hat, stellt sich heute die Frage, wie es sich auch mittelfristig mit Themen am Markt positionieren kann, wie es möglicherweise mit dem Standpunkt der Verantwortung für Mensch und Umwelt auch zukünftig inhaltliche Akzente zu setzen vermag.
Es ist deutlich, dass jetzt die Mechanismen des konventionellen Marktes die Branche treffen. Ich darf hier einen bekannten Molkereigeschäftsführer zitieren mit folgenden Worten: "Wie der konventionelle Markt arbeitet und was dessen Resultate sind, wissen wir - diese Resultate anzustreben, scheint uns nicht attraktiv!" Viele kleine und mittlere Unternehmen haben es ja gerade mit dem Thema "Öko" geschafft, sich aus dem Druck des konventionellen Marktes zu befreien. Viele der Öko - Mühlen und -Molkereien würde es heute nicht mehr geben, wenn sie sich nicht früh um das innovative Feld der Öko - Produkte gekümmert hätten. Aber nicht nur das, die "Öko - Innovation" hat eine ganze Reihe von neuen Firmen entstehen lassen!
Doch gerade die Position kleinerer Unternehmen hängt im Wesentlichen von ihrer Innovationskraft ab. Meistens können sich diese nur in Spezialmärkten etablieren und erfolgreich wirtschaften. Die Öko Branche ist hierfür ein typisches Beispiel.

Deshalb ist unser dritter Punkt so entscheidend. Nämlich die Frage danach, wie man Ideen generiert und in ein soziales Klima hinein Produkte entwickelt, mit denen sich die Menschen identifizieren können. Die Nutzenprofile können extrem stark differieren.
Es gab eine Zeit, da hat eine erklägliche Anzahl von Menschen einen weiten umständlichen Weg genommen, um in schlecht organisierten Läden unter konventionellen Gesichtspunkten schlechte Produkte zu "völlig überhöhten" Preisen zu kaufen und das möglicherweise nur deshalb, weil Frau und Mann dazu gehören wollte und weil man Vertrauen hatte in die Menschen, die so eine "Öko - Ware" auswählten und anboten. Da ist ein Öko - Lebensmittel die geistige Strömung einer Zeit, extrem erfolgreich auch unter produkttechnischen Gesichtspunkten hinein entwickelt worden. Nur zum Vergleich - das Öko - Auto z.B. gibt es bis heute nicht!

Die Welt und damit auch die Welt der Ökos hat sich aber verändert!
Gibt es etwa heute keine Inhalte mehr, welche die Menschen bewegen? Themen liegen auf dem Tisch, z. B. ist die Gentechnik einer der großen Bereiche. Daraus läßt sich jedoch nichts Positives ziehen. Andererseits wurden viele Positionen der Vergangenheit geräumt. Oft nicht unbedingt deshalb, weil bessere Erkenntnis eingetreten ist, sondern vielmehr weil man sich daran die Zähne ausgebissen hat. Denken wir allein an all die Visionen von "alternativem Wirtschaften" -> alles untaugliche Spinnereien? Wie ist das mit der Frage der Gerechtigkeit -> weltweit? Gibt es da Anknüpfungspunkte?

Wenn man über Ideenquellen nachdenkt, gibt es eine ganze Reihe von brauchbaren Ressourcen. Allen voran die Kunden und die Konkurrenz. Damit läßt sich eine Menge machen.
Was jedoch hieraus nicht zu erringen ist, sind "echte Innovationen"! Hierzu braucht es Visionen und Ideen. Diese Fähigkeit muß "ent-wickelt" werden. Wesentlich ist dabei, mit den richtigen Grundannahmen an diese Prozesse heranzugehen. Neue Gedanken und Ideen bedürfen neuer Standpunkte. Eine Hilfe hierzu ist zunächst das eigene Denken und dessen Ausrichtung zu reflektieren und sich dadurch von festgefügten "Bildern" und Annahmen zu befreien.
Ansatzpunkte bzw. Thesen sind:


Erkennen heißt auch "verkennen"

Unser Fortschrittsbegriff ist oft zu konservativ

Innovativ sein heißt, die alten Bilder vom "Neuen" (Innovation) fallen zu lassen
Anstrengung reproduziert in der Regel nur Bekanntes
(In Anlehnung an den Vortag von P. Glandien 1998 beim Produktentwicklungsseminar des Forschungsrings für Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise.)

Aber was sind die inhaltlichen Themen, wie ist die Herangehensweise in den nächsten Jahren an Produktentwicklung anzulegen? Was ist das "Produkt", welches es zu entwickeln gilt?
Gilt die Entwicklung primär dem "Organismus Firma" oder dem "Verkaufsprodukt" im engeren Sinne?

Themen, mit denen sich die Hersteller von Öko-Lebensmitteln heute befassen (sollten), sind im Folgenden kurz beschrieben:


Was heißt es, Lebensmittel im System weiterzuentwickeln (Entwickelnde Verarbeitung)?
Dies meint, dass die im Lebensmittel angelegten Fähigkeiten der Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung zu Lebensmittelprodukten sind. Z.B. ist es sinnvoll, die Fermentation eines Produktes mit Mikroorganismen vorzunehmen, die tatsächlich auf dem Lebensmittel wachsen können und dieses entsprechend verstoffwechseln.

Was bedeutet die Integrität der Lebensmittel?
Die Gestaltung von Lebensmitteln ist ein wichtiger Kulturprozeß. Farben und Aromen können jedoch auch tiefgreifend in die menschliche Psyche und Physiologie eingreifen. (Forster P. 1996). Im Rahmen dieser Frage wurde intensiv die Debatte über natürliche Aromen und deren Ausschluß aus Öko - Lebensmitteln geführt. Letztendlich nur "echte" ökologische Aromaextrakte genügen dem Anspruch der Zutaten an die Herkunftsqualität

Wie können dem sich individualisierenden Menschen individualisierte Produkte angedient werden?
Eine "Individualisierung" der Produkte, im Sinne des Schaffens einer Identität in Hinblick auf Herkunft, soziale Hintergründe usw. wird von einer eminenten Bedeutung sein. Der sich individualisierende Mensch sucht eine Entsprechung in dem Lebensmittel. Auf der Produktebene gibt es noch viele Ressourcen, die in der Natur angelegte Vielfältigkeit (Diversität) nicht als Problem zu begreifen, sondern als Chance. Als große Frage bleibt, wie mit dem Phänomen der "vermassten Individualität" umgegangen werden kann?

Wie kann Qualität auf kultureller und psychologischer Ebene betrachten werden?
Es muß realisiert werden, dass eine "Praline" nicht nur Träger von schädlichem Zucker ist, sondern richtig verstanden und genossen, als Träger von seelischen Werten wie Zuneigung, Verbundenheit oder Anerkennung angesehen werden muß. Hier sind wir heute schon ein Stück weiter gekommen.
Wie kann mehr Transparenz und Vertrauen erreicht werden?
Das Bild des globalen Dorfes wird immer realer. Die weltweite Kommunikation ist dramatisch vereinfacht worden. In diesem "Informationschaos" wird Transparenz zum Schüssel für Vertrauen werden. Da, wo Menschen alle jeweils wichtigen Informationen finden, entsteht Vertrauen. Der Bewußtseinsmensch verlangt nach "zugetrauter Urteilsfähigkeit", er möchte ernst genommen werden!
Was hat die Intension (Seelenkraft) der am Herstellungsprozeß Beteiligten mit der Produktqualität zu tun, ist diese erlebbar?
Die Menschen sind heute auf der Suche nach "tieferen Inhalten". Wenn man über Produkte spricht, läßt sich heute vermitteln, dass ein Bäcker "sozusagen Liebe" hineinkneten kann in sein Produkt, dass das Betriebsklima direkt etwas mit der Produktqualität zu tun hat. Emotional ist das längst spürbar. Den nächsten Jahrzehnten wird es obliegen, diese Zusammenhänge stärker ins Bewußtsein zu rücken und damit auch für den Markt "operational" zu machen.
(Beck A. 2000)

Zukünftig wird möglicherweise die Tatsache, ob ein Zusatzstoff verwendet wurde oder nicht, eine untergeordnete Rolle spielen im Gegensatz zu Werten, die damit verbunden sind, ob das Produkt transparent und damit vertrauenswürdig ist und ob die hineingegebene "Liebe" spürbar wird.

Transparenz bezieht sich keinesfalls nur auf das, was direkt mit dem Produkt verbindbar ist. Sehr viel mehr sind die Unternehmen gefordert, Werte und Sinnzusammenhänge "transparent" zu gestalten. Z. B. soziale Leitungen im und um den Betrieb, Umweltbemühungen, Innovativität, Führungsstruktur, Mitarbeiterzufriedenheit, Struktur der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Umgang mit Finanzen usw.. Viele Firmen sind da bereits auf einem guten Weg! In den nächsten Jahrzehnten werden viele Dinge nach außen kommuniziert werden, die heute noch wie "Firmengeheimnisse" gehütet werden.

Wesentlich ist jedoch, dass die Unternehmen sich diese Ebenen zutrauen, sich trauen auf diesen Ebenen Verantwortung zu übernehmen. Voraussetzung hierfür ist es, sich darüber klar zu werden, was eigentlich Ernährung heute heißt! Dass sich Ernährung auf die "Befriedigung" der Nahrhaftigkeit im physischen Sinne, die Kräfteebene im Lebendigen, die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Verbraucher und die geistig kulturellen Entwicklungsansprüche zu beziehen hat!

Aber wie kommt man dazu, diese Themen näher zu verstehen? Wie können Sie in Verbindung gebracht werden mit dem Glas Honig, mit dem Brot usw..
Wie soll eine Entwicklung "in diese Themen" vonstatten gehen? Dem einfachen Vorgeben eines Produktbildes (z. B. funktionell) haftet immer eine Anmaßung von Wissen an, damit lassen sich immer nur die alten Themen reproduzieren und seien diese noch so gut in der Sozialforschung begründet! Die Arroganz zu sagen "Ich weiß, wie die Zukunft aussieht" ist vollkommen fehl am Platz.
Aber wohin soll denn die Reise gehen, wenn wir nicht über das Zukünftige reden sollen, was soll denn "ent-wickelt" werden? Das Augenmerk muß auf dem Prozeß liegen!

Wenn man das zu Ende denkt, läßt sich auch für Produktentwicklungsprozesse die Frage aufwerfen, ob die Betrachtung und Fixierung der Diskussion auf das Produkt nicht in Wirklichkeit irreführend ist. Klar ist, dass Ernährung und Konsumtion in einen größeren Rahmen (System) eingebettet ist, was nicht zuletzt Einzelentscheidungen über Akzeptanz und Ablehnung entscheidend beeinflußt. Das System ist nun zweifelsfrei unsere Kultur (Soziales System) im Zusammenklang mit unseren überlagerten Grundbedürfnissen.
D. h. wir müssen anfangen, die Ernährungssysteme mit ihren physischen, ökologischen, sozialen und geistigen Dimensionen ernster zu nehmen und Funktionszusammenhänge noch besser zu verstehen. Wenn ich über Produktentwicklung nachdenke, komme ich dann einerseits zu dem Schluß, dass ich eigentlich Ernährungssysteme verstehen und entwickleln muß und dass das einzelne Produkt nur als Systembestandteil richtig verstanden werden kann. Nur wenn ich das System richtig verstehe und beschreibe habe ich eine Chance die Funktion und Ausprägung von Systembausteinen (Produkten) zu bestimmen. Der Kaufmann muß dies letztendlich tun. Für ihn ist die Funktionalität des Ernährungssystems entscheidend.
Aus der ökologischen Wissenschaft kann man eine ganze Menge lernen. Diese hat beschrieben, dass es nicht sinnvoll ist, in der Natur das fortpflanzende Individuum oder den Stammbaum oder Spezies als Überlebenseinheit zu betrachten. Tut man dies, stößt man jeweils an das Problem, dass wenn der Organismus sich als überlegen erweist, er sich in letzter Konsequenz selbst auslöscht. Deshalb geht man in der ökologischen Wissenschaft vom Ökosystem als relativ stabile Bezugsgröße und Überlebenseinheit aus. Der Vorteil dieser Betrachtung ist, dass diese sehr viel wirklichkeitsnäher ist.
Die Systemtheorie bietet noch mehr interessante und überprüfenswerte Ansätze, die sich auf Fragestellungen der Produktentwicklung anwenden lassen.

Auf unsere Problemstellung übertragen bedeutet das zunächst, die geistige Seite unserer Existenz und die damit verbundene Kulturentwicklung als entscheidend neues Merkmal dazu. Aber auch hier ist es möglich, zumindest gewisse Gesetzmäßigkeiten wiederum bezogen auf Teilsysteme, z. B. das Ernährungssystem zu durchdringen und wirklichkeitsnah zu beschreiben. Ansätze hierzu sind vielfältige vorhanden (z.B. Hoffmann I. 2000), diese müßten insofern operationalisiert werden, indem man insbesondere die "ideellen Qualitätskomponenten" herumdreht und aus der Bedürfnissicht als "Verantwortung" und "Identifikation" begreift und dann die Frage lauter stellt, mit was möchte sich der Mensch denn heute "identifizieren" und für was möchte er denn "Verantwortung" übernehmen. Aber bitte diese Aufgabe nicht mit dumpfem Opportunismus verwechseln!
Der entscheidende Schlüssel liegt darin, zu einer veränderten Betrachtungsweise von Produkten (im engeren und weiteren Sinne) und deren Funktion in Hinblick auf das Ernährungssystem zu kommen. Intensionen wie Gesundheitschutz und Genußeignung lassen sich im Gesamtsystem eher verstehen als auf das einzelne Lebensmittel betrachtet. Diese Merkmale entgleiten immer dann, wenn ich sie nicht auf eine ganz spezifische Situation beziehe und weil sie tatsächlich Fragestellungen nicht der Konsumtion eines Lebensmittels, sondern vielmehr eines gesamten Lebensumfeldes inklusive des individuellen Verhaltens sind.
So lassen sich Bestandteile (Produkt) so "entwickeln", dass sie ein bestimmtes System stabilisieren und damit eine "adäquate Durchdringung" des Systems erreichen.

Alexander Beck


Literatur:

Hobat T.J. 1998;>Improving the success of new product development< Foodtechnology Vol 52, NO. 1

Ehrenspiel K. 1995;>Integrierte Produktentwicklung< Carl Hanser Verlag München Wien

Stritzky W. 1973;>Neue Produkte - Abenteuer oder System?< Lexika Verlag Grafenau-Döffingen

Glandien P. 1998; In Anlehnung an den Vortag beim Produktentwicklungsseminar des Forschungsrings für Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise in Loheland Dirlos

Beck A. 2000;>Vom Produktdesign zu Systembausteinen< Lebendige Erde 2/2000

Forster P. 1996; >Bewertung - Sicht der Verbraucher< Protokoll zur Anhörung zum Thema: "Einsatz von Aromen in Öko-Lebensmitteln" am 18.10.1995 in F.a.M. Hrsg: AGÖL Darmstadt

Hoffmann I. 2000; >Öko-logische Ernährungsweise< Zeitschrift für Ernährungsökologie Band 1 Nr. 1 2000

 

 

 



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